OS04 -- Bericht

Die OS04 begann recht früh: Mit dem Läuten des Weckers um 4 Uhr in der Früh. O.k., ich hätte später anreisen können, aber dann hätte ich die Keynote von Jon Maddog Hall versäumt. Und das wäre eine wirklich schlechte Idee gewesen. Jon kam genau rechtzeitig, um mit seinem Vortrag pünktlich um 9:30 anzufangen. Es war eine Präsentation über einen Vergleich von Freie-Software-Hackern mit Amateurkünstlern. Die Verbindung, die er gezogen hat, und die Anekdoten über sein erstes Treffen mit Linus Torvalds haben das Publikum mehr als nur gefesselt.

Niemand wagte es, ihn zu unterbrechen; nicht einmal, als er dreimal so lange brauchte, als für was er eingeteilt war. Und ich glaube, es hat auch niemanden wirklich gestört ... Für den Rest des Tages war der Ablauf der Vortragsreihen (drei parallel) dadurch um eine Stunde verzögert.

Ich habe meine Sachen auf einem Tisch ausgebreitet, Michael Prokop meinte, dass ich einen Stand machen könne, aber ich wusste nicht, dass ich der einzige sein würde. Daher habe ich die LinuxTag-DVDs und die Sticker, die ich geschickt bekommen hatte, gemeinsam mit den Flugzetteln und einer kleinen Schale für die Spenden der Leute aufgelegt, und habe ihnen gesagt, dass sie sich nehmen und spenden können, was sie wollen. Es funktionierte recht gut, und es waren nur wenige, die tatsächlich etwas gefragt haben. Ich hatte auch noch einige der Ayo73-Poster übrig, die die Leute natürlich sehr interessiert haben.

Es gab viele interessante Vorträge, und zum ersten Mal habe ich es mir erlaubt, mich nicht die ganze Zeit um den Stand zu kümmern (ich habe nur von Zeit zu Zeit vorbeigeschaut, um von den Spenden nicht zu viel Geld herumliegen zu haben), sondern mir auch einige der interessanteren Vorträge anzusehen. Der erste dieser war ein Vortrag über The Gimp. Ich spiele selbst ein wenig damit herum, aber der Praxisvortrag mit netten Beispielen demonstrierte einige der interessanteren Möglichkeiten.

Dr. Klaus Schmaranz hatte ebenfalls einen wirklich interessanten Vortrag: Qualitätskontrolle in Softwareprojekten. Er erklärt es mit praktischem Bezug auf ein paar der Projekte, an denen er beteiligt war. Der Raum war zum Bersten voll, und ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, die Chance zu ergreifen, einen seiner Vorträge zu besuchen, wenn sich die Möglichkeit bietet. Ich freue mich auf seine Unterlagen, obwohl diese ohne seinen Vortrag dazu sehr viel verlieren, aber nichtsdestotrotz interessante Fakten und Ideen enthalten.

Später war es dann Zeit für meinen eigenen Vortrag. Es ging um das Debian-Projekt und wie es funktioniert, und ich denke, dass es die Leute interessiert hat. Eine Person war insbesondere an den angepassten Debian-Distributionen (CDD) interessiert, weil er mit dem Gedanken spielt, mit Debian für Unternehmen (Debian Enterprise) zu beginnen, und wusste nicht, dass es das schon gibt. Er fragte ebenfalls danach, ob es einige Debian-Entwickler gibt, die sehr bekannt sind (innerhalb der Debian-Welt), wie Maddog in der allgemeinen Linux-Gemeinde bekannt ist. Ich habe ein paar genannt, werde das hier aber nicht tun, damit mich niemand tritt, weil ich jene genannt habe, aber nicht die anderen ...

Es wurmt mich ein wenig, dass ich den Vortrag zur gleichen Zeit nicht besuchen konnte, in dem es um Extreme Programming ging. Was man so darüber hört, ist der Ansatz sehr hilfreich.

Anschließend hatte Michael Prokop seinen Vortrag über grml — Knoppix für Systemadministratoren. Wir (ja, ich bin Teil des grml-Teams) haben auf der Veranstaltung Version 0.1 freigegeben und aus den Rückmeldungen bis dato ist das Interesse für solch eine Version durchaus vorhanden. KDE und OpenOffice wurden gelöscht, dafür LaTeX hinzugefügt, zsh als Standardshell und ziemlich viele Systemadministratoren-Werkzeuge und Geek-Tools. Recht viele textbasierte Anwendungen und leichtgewichtige Windowmanager. grml zielt insbesondere auf Unterstützung für Barrierefreiheit ab, da unser Mario Lang von der angepassten Debian-Distribution Debian Accessibility mit der nicht wirklich existierenden Unterstützung für blinde Benutzer in Knoppix genervt war. Die aktuelle Unterstützung in grml ist nicht viel besser, da dies erst das erste Release ist, aber wir planen, es stark zu verbessern.

Der Tag wurde mit einem Vortrag über A.N.D.I. abgeschlossen, einem ziemlich interessanten Projekt für Architekten, um nicht nur mit Architekten sondern auch mit anderen Berufen zusammenzuarbeiten und zu kooperieren. Unglücklicherweise war es durch die Verzögerung von einer Stunde schon später und das Publikum nicht mehr wirklich vorhanden, wir waren nur drei Leute, die sich die rasche Einführung in das Projekt angesehen haben. Und ich muss sagen, dass es für jene, die es nicht gesehen haben, ein ziemlicher Verlust war, da es echt enorm ist, was sie bereits geschafft haben, und das Potenzial nicht mitbekommen, das in diesem Projekt vorhanden ist. Unglücklicherweise ist es in Java geschrieben, aber nichts ist perfekt ... Vielleicht funktioniert es ja mit kaffe.

Es war ein langer Tag, und ein wirklich interessanter. Ich freue mich jetzt schon auf die OS05 nächstes Jahr. Aber das Witzigste, was passierte, war im Zug, während ich diesen Bericht auf meinem Weg zurück nach Hause geschrieben habe: Ein anderer Reisender, mit dem ich das Zugabteil geteilt habe, sagte zu mir, während ich bereits am Schreiben war und bevor er ausgestiegen ist: Wissen Sie was? Sie erinnern mich an Schiele, da Sie auch ein Künstler sind und ebenso groß und schlank ... Und ich denke, Maddog hat doch recht: Hacken lässt sich mit Kunst vergleichen.
(Ich glaube, er hat sich eher auf meine Plakatrolle bezogen, die ich mit hatte, statt auf mein Hacken, aber ihr wisst doch: Es gibt keine Zufälle.)

Gerfried Fuchs